Die Verkehrte Welt in der Türkei (September 2014)

Kapadokien und Göreme (30)

Von einem Teppich, einem tanzenden Mann und ganz viel Çay

Es war der 8.9.2014 als 11 ahnungslose Reisende in ein Flugzeug steigen, um mitten in einem zweiwöchigen Abenteuer zu landen.

Erster Zwischenstopp: Ankara, regnerisch kühl und unser zwölftes Gruppenmitglied, das uns in Empfang nimmt – noch 0 Kranke

Mit einer guten Stunde Verspätung trafen wir in der Zentrale der Türkischen Bahn TCDD ein. Diese befindet sich natürlich neben dem Hauptbahnhof Ankaras und nicht, wie anfänglich vermutet und ausgetestet, auf der anderen Seite der Stadt. Zu unserer großen Verwunderung warteten bereits mehrere Bahnmitarbeiter auf unsere Ankunft. Jetzt wussten wir auch, warum die Hemden mit ins Gepäck mussten. Nach einem Loblied über Dresden, unsere Uni und die Deutsche Bahn lief uns das erste Mal die Zahl 2023 über den Weg. Die TCDD möchte in den nächsten Jahren ein nationales Hochgeschwindigkeitsnetz aufbauen. Wir sind gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Nach einer netten Rundumbetreung inklusive Probesitzen im Schnellzug, Besichtigung Atatürks Reisewaggon und einem Mittagessen, brachen wir zu unserem zweiten Termin auf. Über den DAAD konnte ein Treffen mit einem Wirtschaftsbeauftragten der deutschen Botschaft verabredet werden, der uns über aktuelle Themen und landestypische Sitten aufklärte.

Zweiter Zwischenstopp: Kayseri, heiß, laut und unsere erste Bewegung mit dem Bummelzug – eine Handvoll Kranke.

Hier kommt der Teppich ins Spiel. Aber zuerst die Zugfahrt: Vollgepackt und mit leerem Magen, aber versorgt mit einem Lunchpaket für den ganzen Tag, begannen wir die Odyssee. Widererwarten waren jedoch alle unsere Plätze besetzt auch die Türkischkenntnisse eines Mitfahrenden halfen da nicht weiter. Die Besetzer konnten oder wollten nicht kommunizieren. Dann kam aber der Schaffner und verhalf uns zu unseren Plätzen – wie ein Hirte, der seine Schäfchen in den ersten Waggon treibt. Irgendwann hatte sich die Lage beruhigt und wir konnten unser Frühstück, die türkische Landschaft und die nicht ganz freiwilligen offenen Türen genießen. Die Idylle wurde von 2 Reisenden gestört bzw. einem Duell mit Stock gegen Messer. Gewonnen hat der Schaffner, ohne Stock und ohne Messer.

Kayseri ist ein nettes Städtchen mit altertümlichen Basar und einem ortskundigem Teppichverkäufer, der nach einer kurzen Stadtführung uns zufällig in seinen Laden führte. Hier nun zurück zum Teppich. Zu Çay konnten wir nicht nein sagen und auch nicht alle konnten den überzeugenden Verkaufsargumenten wiederstehen.

Am nächsten Tag ging es ab in die Wüste oder nach Kappadokien. Eine Landschaft mit einer langen Geschichte, vielen Höhlen und steinigen Gebilden, die man Feenkamine nett. Wir entschieden uns nicht nur Göreme zu besichtigen, sondern auch den Rosenweg zu beschreiten. Schon nach wenigen 100 Metern in der Mittagssonne gingen die Meinungen über den richtigen Weg allerdings auseinander. Aber auch ohne dem im Reiseführer beschriebenen Weg zu folgen, wurden mit einer atemberauschenden ringsum-Aussicht belohnt. Und nachdem zahlreichen Diskussionen, fanden wir über kleine oder große Umwegen den richtigen Weg. Gekrönt wurde dieser Tag mit einem imposanten Sonnenuntergang und einer Rückfahrt im Bus der Kamil Koç mit kostenlosen Wlan und Wasser. Und als wir zurück in Kayseri ankamen, stießen wir zufällig auf eine Hochzeit; sowohl Größe als auch Tanzstiel haben unseren Mitfahrer allerdings deutlich als deutschen Touristen enttarnt.

Dritter Zwischenstopp: Adana, noch heißer, lauter, ein schöner Weg über die Bagdad-Bahn und dem Badeausflug – an die zehn Krankheitsfälle

Am nächsten, sehr frühen, Morgen stand die Reise nach Adana an, ein weiteres Highlight, denn nun wurde die alte Bagdad-Bahn Strecke befahren. Eine Strecke, die durch das Toros Gebirge führt und mit ihrer Berglandschaft beeindruckt.

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Adana, der südöstlichste Punkt unserer Reise und zugleich eine Stadt, die sehr hektisch und nicht unbedingt sehenswert ist. Den ersten Tag nutzen wir für eine Erkundung der Stadt, mit der Metro und zu Fuß. Egal wo wir auftauchten, wurden wir beobachtet und erstaunlich oft auf Deutsch angesprochen. Ein Highlight in Adana war der Besuch der Sabancı-Zentralmoschee, die erst 1998 eröffnet wurde. Am nächsten Tag folgte unser Badeausflug nach Yimutep, doch allein die Fahrt zum Busbahnhof mit dem Taxi, als auch die Fahrt mit dem Kleinbus war schon ein Erlebnis für sich. Es ist ein sehr komisches Gefühl, wenn der Taxifahrer auf das Stauende zu rast und erst im letzten Moment bremst oder dass unser Kleinbus, der vielleicht für 12 Leute ausgelegt war, von 24 Menschen genutzt wurde.

Vierter Zwischenstopp: Eskişehir („Essgeschirr“) via Konya, 12 von 14 sind krankheitsgeplagt

Die Fahrt mit dem Bummelzug nach Konya war, abgesehen von der 2-Stündigen Verspätung, sehr entspannt. In Konya selber stiegen wir den in den Hochgeschwindigkeitszug der TCDD um und fuhren in knapp 2 Stunden, streckenmäßig, die gleiche Länge, wie zuvor in 6 Stunden.

In Eskişehir selber hatten wir ein gesamtes Hostel für uns und wären gern länger geblieben, aber die Reise ging weiter.

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Fünfter Zwischenstopp: Istanbul – Das Tor zu Europa – ein bis zwei Gesunde

Am ersten Tag besuchten wir die Istanbul Teknik Üniversitesi und haben neben dem Luftfahrtlehrstuhl auch die Bauingenieure mit ihrem Erdbeebensimulator kennengelernt. Das i-Tüpfelchen des Besuches war aber der Flugsimulator, der getestet werden durften. Am selben Abend luden uns einige nette Studenten in eine Bar hoch über den Dächern der Stadt ein. Leider mussten wir Hals über Kopf die Bar gegen Mitternacht verlassen, um die letzte Bahn zu bekommen. In den nächsten Tagen besuchten wir DB Schenker (Arkas), IETT, das staatliche Verkehrsunternehmen für die Busse und Ulaşim, das Verkehrsunternehmen für Straßenbahn und Metro. Das Besondere ist die Tatsache, dass in Istanbul innerhalb kürzester Zeit ein komplett neues Metrosystem aus dem Boden gestampft wird. Das wichtigste dabei ist, wieder einmal, das Jahr 2023, in diesem Jahr wird die Türkei 100 Jahre alt und dies ist zugleich auch das erhoffte Datum der Fertigstellung vieler Projekte. Wir konnte einen Einblick in die Anforderungen an die ÖPNV Bereitstellung und den unterschiedlichen Umgang mit der Aufgabe gewinnen. Natürlich wurden auch die touristisch attraktiven Orte, wie Hagia Sophia, der große Basar, die Blaue Moschee und das Stadtviertel um den Galata-Turm erkundet. Eine Gruppe unternahm einen Abstecher auf eine der Prinzessinnen-Insel zusammen mit zwei türkischen Studentinnen. Als einer der krönenden Abschlüssen stand am Abend ein etwas anderer Besuch eines Basars auf dem Plan. Nachts auf dem Dach eines Basars, mit Blick über den Bosporus. Jetzt war auch endlich der Zeitpunkt gekommen, die gesammelten Schlechte-Sprüche-Lire in Raki umzusetzen.

Uni Istanbul (3)

Am allerletzten Abend konnten wir durch den Besuch einer Shishabar noch ein weiteres Häkchen hinter unsere To-Do-Liste setzen. Leider mussten wir uns dann von den türkischen Studenten verabschieden, denn am nächsten Tag ging es wieder mit Turkish Airline zurück nach Hause.

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Wir danken allen Beteiligten für die schöne gemeinsame Zeit. Jeder hat die Gruppe auf seine eigene Art und Weise bereichert und wir möchten die gesammelten Erfahrungen nicht missen.

 

[Bericht von Marcus Kapp]

Veröffentlicht in Reisen.

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