Exkursion nach Salzburg (Januar 2015)

Vom 22. bis 25 Januar besuchten wir – 14 Studenten aus Dresden sowie 6 Studenten und Absolventen aus Tschechien – das winterliche Salzburg mit seinen zahlreichen interessanten Institutionen im Verkehrssektor. Besucht wurden die Salzburger Lokalbahnen, ÖBB Infrastruktur und Technische Services sowie die Stiegl-Brauerei.

Unsere Reise begann am frühen Morgen in Dresden und führte uns über Hof und Landshut zum Salzburger Hauptbahnhof. Dort warteten bereits unsere tschechischen Kollegen auf uns. Der erste Programmpunkt bestand in einer Führung durch den Hauptbahnhof, dessen umfangreiche Sanierung erst im November 2014 abgeschlossen worden war. Dabei wurde der bisherige Kopf- und Durchgangs- in einen reinen Durchgangsbahnhof umgewandelt und die alte stählerne Hallenkonstruktion in die neue Halle integriert. Im Empfangsgebäude zeigte uns ein Herr Eisl der ÖBB Infrastruktur einen der originalgetreu sanierten Wartesäle, die heute allerdings nicht mehr öffentlich zugänglich sind. Anschließend stellte uns eine Frau Illmer die Betriebsführungszentrale Salzburg vor. Von hier aus werden die elektronischen Stellwerke der Region bedient. Langfristig sollen damit alle örtlich besetzten Stellwerke älterer Bauformen ersetzt werden. Nach diesen ersten Eindrücken bestiegen wir den O‑Bus und fuhren zu unserer Jugendherberge im Salzburger Süden.

Fahrdienstleiterarbeitsplatz in der Betriebsführungszentrale Salzburg von ÖBB Infra.

Fahrdienstleiterarbeitsplatz in der Betriebsführungszentrale Salzburg von ÖBB Infra.

Der nächste Tag begann nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt im O-Bus-Betriebshof der Salzburger Lokalbahnen (SLB). Frau Gasteiner, Vorstand für Kundenservice und Marketing, erläuterte uns in einem ausführlichen Vortrag die Struktur und die Strategie der SLB. Neben den O-Bussen betreibt die SLB eine eigene Eisenbahnstrecke im Salzburger Norden mit S-Bahn-Verkehr, Schienengüterverkehr dort wie auch auf dem ÖBB- und DB-Netz, die Achersee- und die Salzkammergutbahn mit der dazugehörigen Wolfgangseeschifffahrt und seit dem Jahr 2008 die Pinzgauer Lokalbahn. Zudem ist sie an der Berchtesgadener Land Bahn beteiligt, welche die S-Bahn-Linie 4 zwischen Berchtesgaden und Freilassing befährt.

Rundgang durch den O-Bus-Betriebshof mit dem Leiter, Herr Perwerschlager. In den nächsten Jahren soll er durch einen Neubau ersetzt werden.

Rundgang durch den O-Bus-Betriebshof mit dem Leiter, Herr Perwerschlager. In den nächsten Jahren soll er durch einen Neubau ersetzt werden.

Der O-Bus-Verkehr wird von einer modernen Leitstelle aus gesteuert und überwacht, in die uns der Leiter des Betriebshofes, Herr Perwerschlager, führte. Schließlich durften wir noch einen Blick in die verschiedenen Hallen werfen. Neben Arbeitsständen für die Wartung der unterflurig oder auf dem Dach untergebrachten Komponenten sind dort auch eine Waschanlage und Räume für die Lackierung von Bussen untergebracht.
Nun ging es mit dem O-Bus einmal quer durch die Stadt zum Betriebshof Itzling der Salzburger Lokalbahn. Diese verkehrt in dichtem Takt vom Salzburger Hauptbahnhof nach Norden in den Flachgau und ähnelt vom Charakter her einer Überlandstraßenbahn. Die Betriebsführung erfolgt durch den Zugleiter in Itzling, der von hier aus alle Weichen und Signale bedienen kann. Neben den bis zu neun Zügen der S-Bahn-Linien 1 und 11 befahren auch Güterzüge die Strecke.

In der Zugleitung der Lokalbahnstrecke mit dem Leiter der Bahnverkehre, Herrn Strasser (r.).

In der Zugleitung der Lokalbahnstrecke mit dem Leiter der Bahnverkehre, Herrn Strasser (r.).

Herr Schindler aus Dresden führte uns durch die Fahrzeugwerkstatt.

Herr Schindler aus Dresden führte uns durch die Fahrzeugwerkstatt.

Ein gebürtiger Dresdner zeigte uns die Werkstatt der SLB, in der auch einige historische Fahrzeuge gepflegt werden, darunter zwei Triebwagen aus der Anfangszeit der Lokalbahn.
Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch der Stiegl-Brauerei, die noch heute über einen Gleisanschluss verfügt. Über diesen werden neben Flaschen dreimal wöchentlich Wagen mit Malz zugestellt. Nach einer Führung durch die Brauwelt wurde das Ergebnis der Produktion ausgiebig im zugehörigen Braustüberl verköstigt.

Alle Elektrotriebwagen der SLB sind nach Ortschaften benannt. Passend für unseren Besuch stand ET 58 vor der Remise fürs Gruppenbild zur Verfügung.

Alle Elektrotriebwagen der SLB sind nach Ortschaften benannt. Passend für unseren Besuch stand ET 58 vor der Remise fürs Gruppenbild zur Verfügung.

Am Sonnabend begaben wir uns nach Gnigl zum Instandhaltungswerk der ÖBB Technische Services. Hier werden Güterwagen, Lokomotiven und Triebwagen gewartet. Wegen einer kurzfristigen Verschiebung des Termins mussten wir zunächst ein wenig warten, konnten aber in dieser Zeit zwei Lokomotiven auf der Drehscheibe beobachten. In der Güterwagenwerkstatt erklärte der Leiter, Herr Prates, die verschiedenen Anlagen und Werkzeuge, wie zum Beispiel eine Absenkeinrichtung zum Ausheben von Achsen oder Hydraulikpressen zum Ausbeulen von Seitenwänden. Im alten Ringlokschuppen werden vor allem E-Loks instandgesetzt, während die benachbarte Halle wegen ihrer Länge von 110 Metern bevorzugt für die Wartung der in Salzburg eingesetzten TALENT-Triebwagen genutzt wird. Des Weiteren sind hier auch zwei Unterflurdrehbänke für das Abdrehen der Radsätze von Lokomotiven und Triebwagen untergebracht.

Eine E-Lok der Baureihe 1144 rangiert von der Drehscheibe in den Rundschuppen von Salzburg-Gnigl.

Eine E-Lok der Baureihe 1144 rangiert von der Drehscheibe in den Rundschuppen von Salzburg-Gnigl.

Mit einem Regionalexpress verließen wir am Mittag Salzburg und fuhren, der Salzach flussaufwärts folgend, nach Zell am See, dem Ausgangspunkt der Pinzgauer Lokalbahn. Die Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760 mm erschließt das Salzachtal über eine Streckenlänge von 53 Kilometern und konnte nach der Übernahme durch die SLB und umfangreichen Sanierungen deutliche Fahrgastzuwächse verzeichnen. Im Betriebshof der Bahn führte uns der Betriebsstellenleiter, Herr Stramitzer, in die Geschichte der Bahn ein und erläuterte die technischen Anlagen sowie das Betriebskonzept. Dabei erschienen uns im Vergleich zu den sächsischen Schmalspurbahnen die Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h ebenso bemerkenswert wie die modernen Fahrzeuge und die Sicherung der Zugfahrten mittels GPS und Balisen.

VTs 13 der Pinzgauer Lokalbahn wird an der Remise in Tischlerhäusl betankt.

VTs 13 der Pinzgauer Lokalbahn wird an der Remise in Tischlerhäusl betankt.

Noch ein kurzer Blick in die Zugleitstelle, dann konnte die Bereisung der Strecke beginnen. Da die Führung etwas länger als ursprünglich geplant gedauert hatte, fuhren nicht mehr alle Teilnehmer bis zum Endpunkt in Krimml. Die frühere Ankunftszeit in Salzburg konnte dann dafür genutzt werden, um bis zur Rückkehr der Mitreisenden aus Krimml schon einmal eine gemütliche Kneipe zu finden.

Lokalbahnromantik pur im Abzweigbahnhof Bürmoos.

Lokalbahnromantik pur im Abzweigbahnhof Bürmoos.

Der nächste Vormittag war frei und wurde für die Besichtigung der Festung Hohensalzburg, einen Ausflug nach Linz oder auch einen Besuch der Lokwelt Freilassing genutzt. Am frühen Nachmittag brachen zunächst unsere tschechischen Kollegen zur Rückfahrt auf, ehe auch wir unseren Zug in gen Heimat bestiegen.

 

[Bericht von Norbert Menz]

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