Exkursion nach Südpolen 2015

Zum ersten Mal ging es für die Verkehrte Welt nach Polen. Auf einer Mehrtagesexkursion fuhren wir zu zwölft über Himmelfahrt nach Südpolen, genauer gesagt nach Krakau und Oberschlesien, um unsere Kontakte im Verkehrswesen auch in unser Nachbarland Polen auszubauen.

Zunächst fuhren wir von unserem Ausgangspunkt Dresden mit dem Eurocity nach Prag. Während eines kurzen Aufenthalts mussten dort allerdings noch essentielle Einkäufe für die anschließende Nachtzugfahrt getätigt werden, da wir leider vergeblich im überfüllten Speisewagen auf ein Abendbrotangebot gehofft hatten. Anscheinend waren auch noch andere Deutsche auf die Idee gekommen, einen Tag vor Himmelfahrt nach Prag zu reisen. Weiter ging es  mit dem Nachtzug in etwa neun Stunden nach Kraków, in dem wir in den Liegewagenabteilen noch gesellig beisammen saßen. Die Nachtruhe hielt nicht lange an, als wir Kraków kurz vor sieben Uhr erreichten, die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolens. Bereits eine Stunde später hatten wir unseren ersten Termin bei Kaloje Malopolskie, dem lokalen Eisenbahnverkehrsuntermehmen der Woiwodschaft Kleinpolens, vereinbart.

Kraków-Wieliczka

Erster Termin in Kraków-Wieliczka bei Kaloje Małopolskie

Nach einer kurzen Netzbefahrung der einzigen betriebenen Linie, erhielten wir eine Führung auf dem Stellwerk des Hauptbahnhofs Kraków Główny. Das Drucktastenstellwerk wird von drei Mitarbeitenden bedient, wobei ein Fahrdienstleiter, ein Zugmelder sowie ein Disponent den Bahnhofsbereich koordinieren.

Relaisstellwerk im Bf. Kraków Główny

Relaisstellwerk im Bahnhof Kraków

Nach Beendigung des Fachprogramms erkundeten wir die sehenswerte Altstadt Krakaus. Neben dem Altstadtring, Rynek, besichtigten wir das bekannte Königsschloss auf dem Wawel, einer Burganlage über der Weichsel. Da unser Verkehrsbezug schon wieder eine Weile zurück lag, unternahmen wir am frühen Abend noch eine kleine Netzbefahrung per Tram mit Wiener und Nürnberger Altfahrzeugen durch industrielle Außenbezirke der über 700.000 EW großen Stadt.

Kraków Wawel

Kraków Wawel

Am nächsten Morgen fuhren wir – in Ermangelung eines attraktiven Bahnverkehrs – mit dem Interregiobus weiter westlich nach Katowice. Die nachfragestarke Verbindung in die industrielle Region Südpolens wird hingegen von drei Busgesellschaften in einem überlagerten Viertelstundentakt bedient. Nach anderthalbstündiger Busfahrt erreichten wir schließlich Katowice, welches das Oberzentrum des Ballungsraums Schlesiens mit insgesamt über einer Millionen Einwohnern ist.

Katowice Rynek

Katowice Rynek

Dort hatten wir einen Termin an der Politechnika Śląska, der Technischen Universität der Woiwodschaft Schlesiens. Am Institut für Transport und Verkehr bekamen wir einen Einblick in moderne Labore des Automobilbaus und elektrische Bahnen. Im Hof des Fakultätsgebäudes befindet sich eine 50 m lange Prüfstrecke in Regelspur, die mit diversen Elementen der Bahnsicherungstechnik, unter anderem einem vollautomatischen Bahnübergang von Bombardier, ausgestattet ist. Wir stellten fest, dass angehende polnische Verkehrsingenieure eine tiefe ingenieurwissenschaftliche Ausbildung genießen.

Katowice, Politechnika

Katowice, Politechnika

Katowice, Politechnika

Katowice, Politechnika

Im zweiten Teil des Tages widmeten wir uns dem groß ausgeprägten Straßenbahnnetz Oberschlesiens, welches mit einer Streckenlänge von 200 km und über 30 Tramlinien zu einem der größten Europas zählt. Die Ursprünge dieser Netzausprägung liegen in der industriellen Entwicklung der Region Anfang des letzten Jahrhunderts. Das oberschlesische Industriegebiet ist bekannt als ausgeprägte Bergbauregion mit zahlreichen Hüttenwerken aufgrund großer Kohle- und Eisenerzvorkommen. Nachdem auch dort der industrielle Sektor zusammengebrochen war, sind nur noch vereinzelte Zechen und Fabriken aktiv. Vielerorts erinnern jedoch noch imposante stählerne Industrieruinen an eine längst vergangene Zeit. Mittlerweile hat ein Strukturwandel der Bergbauregion begonnen, die vor allem in den Stadtzentren positiv zu beobachten ist.

Chebzie Pętla

Polnischer Standardtriebwagen in Chebzie Pętla

Der dritte Tag begann bereits frühzeitig mit einem zweistündigen Bustransfer zur Schnellfahrstrecke WarszawaKraków/Katowice gemeinsam mit Studenten der Politechnika. Dort besichtigten wir im Abzweigbahnhof Psary moderne ESTW-Stellwerkstechnik und vor allem verschiedene Fahrwegelemente. Dieser Streckenabschnitt wird von der polnischen Staatsbahn PKP selbst zu Forschungszwecken unterschiedlicher Steuerungen von Schnellfahrweichen genutzt. Dort bekamen wir die Ansteuerung verschiedener Arten mechanischer Weichenzungen und beweglicher Herzstücke demonstriert. Wenige Kilometer weiter nördlich, in Włoszczowa, wurden uns weiterhin hydraulische Ansteuerungen vorgeführt.

Abzw.-Bf. Psary

Verzweigungsbahnhof Psary

Verzweigungsbahnhof Psary

Bf. Włoszczowa

Bf. Włoszczowa

Nach der Rückkehr in Katowice unternahmen wir erneut eine Netzbefahrung des Tramnetzes bis in den frühen Abend. Diesmal erkundeten wir die Städte östlich von Katowice, die mit eher ländlich ausgeprägten Strecken verbunden sind. Schließlich ließen wir es uns am letzten Abend nicht nehmen, die Bars der Kattowitzer Fußgängerzone zu besuchen.

Szopienice Pętla

Szopienice Pętla

Katowice, Silesia Centre

Katowice, Silesia Centre

Am nächsten Morgen fuhren wir von Katowice über Wrocław und Görlitz per Bahn nach Dresden zurück. In einem längeren Aufenthalt besichtigten wir die sehenswerte Altstadt von Wrocław, in der wir einen ähnlich bemerkenswerten Marktplatz wie in Kraków vorfanden. Nach einem fünfstündigen Stadtrundgang durch die Altstadt und Oderinsel ging es weiter nach Zgorzelec an der polnisch-deutschen Grenze. Da es noch immer keine durchgehende Bahnverbindung zwischen Deutschland und Polen gab, mussten wir den Lückenschluss über die Neiße bis Görlitz zu Fuß zurücklegen. Schließlich fuhren mit dem Schienenersatzverkehr und Regionalexpress nach Dresden zurück.

Wrocław

Altstadt von Wrocław am Rynek

Zgorcelec Nysa

Fußweg an der Neiße: von Zgorzelec Miasto nach Görlitz (o. Kevin, Thomas)

Wir blicken auf eine abwechslungsreiche Exkursion mit aufgeweckten Teilnehmern zurück und hoffen, die frisch geknüpften Kontakte nach Südpolen in Zukunft weiter festigen zu können.

Diese Reise wurde freundlicherweise gefördert von:

Studentenrat TU Dresden www.stura.tu-dresden.de/

Studentenrat TU Dresden
www.stura.tu-dresden.de/

Fachschaftsrat Verkehrswissenschaften an der TU Dresden www.fsr-verkehr.de

Fachschaftsrat Verkehrswissenschaften an der TU Dresden
www.fsr-verkehr.de

Martin Köhler, Bericht Polenexkursion 13.05. – 17.05.2015

2 Antworten to “Exkursion nach Südpolen 2015

  • Das klingt ja nach einer spannenden Reise! Da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Aber man kann nicht alles haben. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

    • Danke Maike! So geht es mir mit einigen Folgereisen nach meiner Zeit bei Verkehrte Welt, bei der ich auch sehr gern mitfahren würde. Wir haben ja dennoch viel mitgemacht 😉

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