Vierte Studienreise nach Omsk – „Transeuropäische Netze“

Auch in diesem Jahr fand wieder eine von Verkehrte Welt unterstützte Studienreise ins ferne Russland statt. Elf Studenten der TU Dresden und ein Student der TU Prag brachen somit zur nun schon insgesamt vierten Fahrt nach Omsk in Sibirien auf – Sascha, Mathias, Martin, Steffen, Peter, Sven, Alexander, Janny, Ralf, Matthias, Jan und Michael. Kaum einer wusste was ihn erwartet, umso spannender waren diese Tage vom 14. bis 27. September 2006.

An einem milden, frühherbstlichen Donnerstagvormittag traf sich die Gruppe am Berliner Flughafen Tegel, Schalter 6. Viele kannten sich vorher nur von den Vorbereitungstreffen, welche nötig waren um die Reise zu organisieren. Der Flug verging ohne nennenswerte Vorkommnisse, nur das Ausfüllen der Migrationskarte, kurz vor der Landung in Moskau, war nicht ganz so simpel. Im Moskauer Flughafen „Domodedovo“ angekommen, ging es mit dem Expresszug in die Innenstadt, da diese ca. 40 Kilometer vom Flughafen entfernt ist. Vor der bevorstehenden Zugfahrt nach Omsk blieben noch einige Stunden Zeit und ein wenig die Umgebung des „Kasaner Bahnhofs“ zu erkunden. Gegen 20 Uhr stiegen dann alle mit reichlich Vorfreude in die Transsibirische Eisenbahn um die 42-stündige und 2555km lange Fahrt von Moskau nach Omsk auf sich zu nehmen.

Die Zugfahrt wurde von vielen Erlebnissen geprägt. Zunächst half eine ältere Frau den Jungs beim Betten beziehen und die Zugbegleiterin versorgte alle mit heißem Wasser aus dem bordeigenen Samowar. Außerdem war da noch Ruslan – ein waschechter Russe, welcher dem alkoholischen Tropfen nicht abgeneigt war und der stets den Kontakt zu den übrigen Fahrgästen suchte. Aber auch innerhalb der deutschen Gruppe genoss man das einheimische Bier und gönnte sich ab und zu ein „Wässerchen“ vor dem Schlafen gehen. Während der längeren Aufenthalte an größeren Bahnhöfen konnte man zudem direkt am Bahnsteig lokale, russische Speisen erwerben.

Schließlich war es dann soweit – der Zug fuhr in den Omsker Bahnhof ein. Die Betreuerin Frau Serkova nahm die Gruppe in Empfang und in einem für deutsche Verhältnisse klapprigen, aber kultigem Omnibus fuhr man zum Wohnheim, in welchem die Gruppe für die kommenden Tage einquartiert wurde. Nach einer kurzen Begrüßung und der Besprechung des Wochenprogramms ging es gleich noch mal raus in den Stadtpark vor der Uni, welcher sich als nächtlicher Treffpunkt der Omsker Jugend entpuppte. Mit dabei war auch Alexander (alias Sasha) von der FH Erfurt, der den Dresdner Studenten während ihres Aufenthaltes in Omsk als Übersetzer zur Verfügung stand. Schnell kam man mit den einheimischen Studenten ins Gespräch und es wurde ein geselliger, erster Abend.Omsk 2006 Verkehrte Welt

Der nächste Tag brach an und es wurde erstmal ausgiebig zusammen gefrühstückt. Der Raum dazu war schnell gefunden – Jannys Dreibettzimmer, welches auch das größte war und wo bereits die gesamte Verpflegung deponiert war. Im Anschluss fuhren alle gemeinsam mit Omsker Studenten in zwei Kleinbussen zu einem Ausflug Richtung „Heiliges Land“, welches ca. 35 km vor den Toren der Stadt lag. Eine Geistliche der russischen orthodoxen Kirche empfing die Gruppe, und führte sie durch die Hauptkirche des Klosters und erzählte viele Interessante Dinge, welche auch mit „Fliegen und Bienen“ zu tun hatten. Dies soll aber an dieser Stelle nicht näher erläutert werden. Nach einem Spaziergang zu dem nahe gelegenen Fluss „Irtisch“ und einer „Heiligen Quelle“ ging es wieder zurück nach Omsk. Der Abend wurde dann in der Küche des Wohnheims eingeläutet. Es wurden Pelmenis gekocht und ein paar Bier getrunken. Schnell kam man erneut mit russischen Studenten und Studentinnen ins Gespräch. Besonders zu „Waldi“ (ebenfalls ein waschechter Russe) entstand eine innige Freundschaft. Er entpuppte sich als wahrer Deutschlandfan und war über alles begeistert was mit dem Gästen aus „Good Old Germany“ zu tun hatte. Nach ausgiebigem, vorabendlichem Frohsinn ging es dann das erste Mal in den nahe gelegen Disko-Club „Atlantida“.

Der Besuch des universitätseigenen Museums am darauf folgenden Morgen begann dementsprechend schleppend. Doch die interessante Führung durch die heiligen Hallen der Eisenbahnuniversität macht schnell alle wieder munter. Das mittägliche Mal wurde, wie auch in den kommenden Tagen, in einem extra hergerichteten Raum der Uni-Mensa eingenommen. Die stets liebevoll gedeckte Tafel wartete immer mit einem Salat, einer Suppe, einem deftigem Hauptgericht und einem leckeren Dessert auf. Nach der Mahlzeit wurden die Dresdner Studenten mit einer Rede des Pro-Dekans freundlich begrüßt und Sascha, Mathias und Michael stellten jeweils in einem Vortrag die TU Dresden, den Verein „Verkehrte Welt e.V.“ und die TU Prag vor. Zum Abendbrot kochten Studentinnen aus dem Wohnheim einen typisch russischen „Borschtsch“, welchen sich dann alle in einer großen, geselligen Runde schmecken ließen. Anschließend ging es für einen Teil der Gruppe erneut in den Club „Atlantida“ und die daheim Geblieben verkrochen sich gemeinsam in ein Zimmer um in gemütlicher Runde zu plaudern und den Abend ausklingen zu lassen.

Am Tag darauf stand der Besuch eines Englischkurses an. Sven stellte den Besuch aus Dresden vor und klärte die russischen Studenten über die Herkunft der Gruppe und den Grund der Reise auf. Alle gaben sich Mühe mit den russischen Studenten so gut wie es ging ins Gespräch zu kommen. Auch wenn es manchmal ziemlich stockend war, entstanden durchaus nette Diskusionen. Nach dem Mittagessen standen die ersten Präsentationen auf dem Plan. Steffen referierte über „High-Speed Trains of Deutsche Bahn“ und Micha über die „Einführung des Integralen Taktfahrplans in Tschechien“. Am Nachmittag ging es zum Museum des russischen Malers „Belov“. Im Anschluss an eine eindrucksvolle Führung gab es Tee aus dem Samowar und frische gebackenen Apfelkuchen.

Einen Tag später gab es die Möglichkeit etliche Laboratorien der Universität zu besichtigen. Sowohl die Versuchsanlage für elektrische Verkehrssysteme als auch das Labor für Eisenbahnsicherungstechnik erwiesen sich als sehr interessant und lehrreich. Des Weiteren standen erneut Präsentationen zum Konferenzthema „Transeuropäische Netze – Russland als Bindeglied des europäisch-asiatischen Transitverkehrs“ auf dem Programm. Das Abendbrot wurde diesmal individuell gestaltet, so dass jeder seinen eigenen Geschmack nachkommen konnte.

Der nächste Tag begann mit einer mehrstündigen Stadtrundfahrt. Während der Fahrt durch die neuen und alten Stadtteile von Omsk, welche durch den Fluss Irtisch von einander getrennt sind, wurden die historischen und touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt passiert. Zurück an der Uni gab es in einer interessanten Diskussionsrunde die Möglichkeit Verbesserungsvorschläge des Dresden-Omsk-Austausches und Ziele und Ergebnisse dieser Fahrt zu besprechen. Nach dem Besuch einer Deutschstunde am Nachmittag kehrte dann die Gruppe zum Wohnheim zurück. Dort wurde sie bereits von „Waldi“ und den anderen Wohnheimbewohnern erwartet um das versprochenen Fußballmatch „Russland – Deutschland“ auszutragen. Wie bei einem richtigen Großevent wehten die Nationalflaggen der beiden Staaten im sibirischen Wind und beide Teams bereiteten sich auf das anstehenden Match vor. Nach verbissenem Kampf und technischen Kabinettstückchen bezwangen die russischen Gastgeber die Gäste aus Deutschland mit einem knappen 5:3. Allen Mitspielern und Zuschauern wird dieser Sportevent sicher als ein Highlight der diesjährigen Reise nach Omsk in Erinnerung bleiben.Panorama Omsk Russland

Am Vormittag des nächsten Tages wurde zur Besichtigung der universitätseigenen Eisenbahn-Freilicht-Ausstellung gebeten. Neben ausgedienten Lokomotiven und Wagons der russischen Staatseisenbahn konnten hierbei auch ein Bahnübergang, Schienenstränge sowie Oberleitungstechnik bestaunt werden. Am Nachmittag kam es dann zu einer originell geführten Stadtspaziergang seitens eines Professors der Mathematikfakultät, welcher sich ehrenamtlich für diese Aufgabe zur Verfügung stellte. Der Besuch eines Symphoniekonzertes anlässlich des 100. Geburtstages des berühmten russischen Komponisten „Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch“ bildete dann am Abend einen weiteren Glanzpunkt im Veranstaltungsprogramm, ehe die Meisten der in ihre Reise nach Omsk mit einem letzten Besuch in der Disko ausklingen ließen

Der Tag der Abreise war bestimmt von Aufräum- und Packarbeiten. Nach emotionaler Verabschiedung und dem Austausch von Adressen und Telefonnummern ging es erneut im kultigen Oldtimer zum Omsker Bahnhof. Dort stiegen schließlich alle in die Transsibirische Eisenbahn um die zweitägige Rückreise nach Moskau anzutreten. Diesmal was zwar kein „Ruslan“ mit an Bord, dafür „erfreute“ aber die angebliche Doktorin Natascha alle Reisenden mit dem Klagegesang einer Katze. Es sei nur zu vermuten dass dies wohl auch einem übermäßigem Alkoholkonsum geschuldet sein musste. Trotzdem hatten alle ihren Spaß und die Fahrt bis zur frühmorgendlichen Ankunft im Moskauer Bahnhof verging viel zu schnell.

Als die russische Hauptstadt Moskau soeben erst erwachte, traf bereits die „Transib“ aus Omsk im Kasaner Bahnhof ein. Die Gruppe suchte sich problemlos ihren Weg durch das Metronetz um zum Hostel zu gelangen. Nur schnell das Gepäck abgestellt, ging es zum „Roten Platz“ um dort den herrlichen Sonnenaufgang zu erleben und sich mit einem Frühstück in einem bekannten amerikanischen Fastfood Restaurant zu stärken. Es bildeten sich zwei Lager, welche auf eigene Faust Moskau erkundeten. Am Nachmittag fand man sich jedoch wieder zusammen um gemeinsam die berühmte Lomonosov-Universität zu besuchen und die herrliche Aussicht von den „Sperlingsbergen“ über die Weltmetropole zu genießen. Der zweite Tag stand ebenfalls zur individuellen Verfügung. Die Einen fuhren (fast) das komplette Metronetz der Stadt ab, und die Anderen unternahmen eine Schifffahrt auf der Moskwa. Ein Besuch bei „Lenin“ war aber natürlich wiederum für alle ein Muss! Als der Rückflug nach Berlin dann kurz bevor stand wäre sicher jeder gerne noch länger geblieben, doch der „unbeschuhte“ Gang durch die Sicherheitskontrollen des Flughafens war unausweichlich.

Mathias Höhne

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