Moskau Universität

Fünfte Studienreise nach Omsk (Russland) 2008

Nach 2006 fand in diesem Jahr die 5. Studienreise nach Omsk in Westsibirien statt. Unsere Gruppe bestand neben unseren fünf Verkehrswissenschaftlern Caro, Peggy, Alex, Michael und Tobias aus Anne, Christian und Gregor, welche Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Chemie studieren. Der Weg führte uns über St. Petersburg und Moskau und von da mit der Transsibirischen Eisenbahn in das von Dresden fast 4000 km entfernte Omsk an die Staatliche Universität für Eisenbahnwesen.

St. Petersburg

Am Vormittag des 31. Augusts startete unsere Reise in Berlin, von wo wir in knapp drei Stunden den Flughafen von St. Petersburg erreichten. Nach einem sehr umfangreichen Sicherheitscheck am Flughafen konnten wir erstmals die frische Nordluft genießen, durchdrungen vom grellen Pfeifen der startenden russischen Tupolewmaschinen. Mit dem Bus fuhren wir anschließend in das Zentrum St. Petersburgs, von wo aus wir mit der Metro unser Hostel, zwei Minuten zu Fuß zur Boulevardmeile, dem Newski Prospekt, erreichten. An diesem und am folgenden Tag unternahmen wir Stadtrundgänge zu Fuß, um einen Eindruck von den kulturellen Schätzen St. Petersburgs zu gewinnen. Der Blick, welcher sich vom Ufer der Newa auf das Zentrum der Stadt bietet, ist unbeschreiblich. Ein kurzer Blick in die Eremitage am dritten Tag einige Stunden vor unserer Abreise stellte den Höhepunkt unseres Besuchs dar. Der Prunk der Säle und Gemächer des Winterpalastes versetzt auch ohne die unzähligen Gemälde von da Vinci, Rembrandt und van Gogh den Besucher in ehrfürchtiges Erstaunen. Am Abend verließen wir St. Petersburg vom Moskowskaja Woksal aus, um am Morgen des folgenden Tages die russische Hauptstadt zu erreichen.

Moskau

Moskau UniversitätNach dem Einchecken in unser Hostel, welches etwa zehn Minuten zu Fuß vom Roten Platz entfernt war, fuhren wir mit der Metro zu den Sperlingsbergen, von denen sich ein wunderschöner Blick auf Moskau bietet. Wie in St. Petersburg sind auch hier die zahlreichen imposanten und zugleich äußerst detailreichen Sehenswürdigkeiten Moskaus von großartiger Schönheit. Zu unserem großen Unglück war der Rote Platz während unseres Aufenthalts aufgrund der Vorbereitung des Stadtfestes gesperrt. Durch einen Besuch des Leninmausoleums konnten wir schließlich doch noch einen kurzen Blick auf den Roten Platz erhaschen. Auffällig in Moskau ist das sehr turbulente Leben und der moderne Wandel in dieser Metropole. Neue Glaspaläste, eine Unzahl verschiedenster Luxuslimousinen auf den Straßen und unbezahlbare Restaurants und auf der einen Seite, historische Gebäude, Sowjetsterne und Karl-Marx-Denkmal auf der anderen Seite hinterließen ein verwirrendes Gefühl zwischen Faszination vom alten kulturellen und neuen finanziellen Reichtum Moskaus und Bedrücken für diejenige große Mehrheit der Einwohner, welche dem dekadenten Konsumrausch dieser Stadt sicher nicht annähernd folgen können. Am dritten Tag blieb bis zur Abreise vom Jaroslaver Bahnhof am Mittag noch etwas Zeit für einen Rundgang durch das GUM oder ein Besuch in der Schatz- und Rüstkammer im Kreml.

Fahrt mit der Transsib

Ausgerüstet mit einem Ticket der Kategorie Platzkart ging es am 5. September um 12:30 Uhr im Zug Nummer 350 in Richtung Omsk. Unser Wagon war recht alt aber sauber, roch jedoch etwas nach den Ausdünstungen seiner Fahrgäste… Die Landschaft insbesondere ab dem Ural war beeindruckend. Durch die großen Weiten Russlands mit verstreuten Dörfern aus Holzhütten fühlte man sich wie in einen Märchenfilm versetzt. Durch freundliche und interessierte Gespräche mit russischen Passagieren und durch das ein oder andere Gläschen Wodka in geselliger Runde kam während der zweitägigen Fahrt keinerlei Langeweile auf. Uniformiert in unseren eigens für die Fahrt gemachten T-Shirts verließen wir den Zug am Nachmittag des 7. Septembers am Bahnhof von Omsk, wo wir bereits von Herrn Professor Tetter, unserem russischen Betreuer, erwartet wurden.

Omsk

Nach Bezug unserer Zimmer und leckeren Pelmeni zum Mittagessen machten wir bei schönstem Wetter einen Rundgang durch das Zentrum von Omsk. Am nächsten Tag fand nach einem nahrhaften Frühstück in der Mensa (Beefsteak und Nudeln) die Konferenz zur Erörterung der „Fragestellungen im Eisenbahnverkehr in Deutschland und Russland“ statt. Hierfür wurden von uns 5 Vorträge und seitens der russischen Aspiranten 6 Vorträge mit anschließender Diskussion gehalten. Nach dem Mittagessen besuchten wir die Professur für Eisenbahnwagen. Äußerst beeindruckend an der Universität war die sehr gute Ausstattung für die Lehre. Neben originalen Lokomotiven und Waggons, welche für die Studenten als Schauobjekte genutzt werden, gibt es beispielsweise Laboratorien für Wagontechnik, für Energieversorgung elektrischer Bahnen (Fahrleitungsanlagen, Gleichrichterunterwerke, Unterwerksschaltanlagen) sowie für Stellwerkstechnik und ein Eisenbahnbetriebsfeld. Ferner stellen praktische Übungen beispielsweise an Fahrsimulatoren einen festen Bestandteil der Lehre dar.Omsk 2008 Russland

Sehr angenehm aufgefallen ist, dass oft die Professoren persönlich ihre Arbeit und ihre Laboratorien vorgestellt haben und sich stets viel Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten. Aufgrund der meist nur wenig vorhandenen Englischkenntnisse der Mitarbeiter dolmetschte dafür unsere stets hilfsbereite Alexandra. Das abendliche inoffizielle Programm fand mit Aspiranten der Universität statt, mit welchen wir in einem sehr schönen Restaurant ganz nach russischer Tradition den Abend verbracht haben.

Den nächsten Tag besuchten wir den Omsker Trolleybusbetriebshof, in dem auch die Reparatur und Wartung der teilweise schon sehr betagten Busse stattfand. Geführt wurden wir vom Direktor des Betriebes. Die Wartungshallen des Busbahnhofes waren sehr dunkel und schienen schon so alt wie Russland selbst, dafür sorgten gelegentlich aufgestellte Pflanzenkästen sowie ein Aquarium neben dem Ersatzteillager für eine entspannte Betriebsatmosphäre.

Am darauf folgenden Tag fuhren wir mit einem mittlerweile historischen Bus der Marke GAZ mit Innenausstattung ganz nach sowjetischer Art zu dem Omsker Technikum für Eisenbahnwesen, wo wir zuerst mit einem vorzüglichen und äußerst reichhaltigen Mittagessen unter persönlicher Aufsicht des Direktors versorgt wurden. Anschließend wurden unsererseits vor Lehrern und Schülern dieser Schule wiederum drei Vorträge zur Vorstellung der Arbeiten der Fakultät Verkehrswissenschaften in Dresden gehalten, wobei die folgende offizielle Fragestunde und vielmehr die darauf folgenden persönlichen Gespräche mit den sehr freundlichen und aufgeschlossenen Russen eine weitere wunderbare Gelegenheit zum interkulturellen Austausch bot.

Abends besuchten wir das neugebaute Omsker Eishockey-Stadion in dem wir das große Glück hatten, live das sportliche Top-Event Russlands zu verfolgen, indem Avangart Omsk die Favoriten Metallurg Magnitogorsk mit 6:0 vom Eis fegte.

Am vorletzten Tag unseres Aufenthalts in Omsk wurden wir mittels unseres historischen Busses in eine Waggonreinigungsanlage nahe Omsk gefahren. Der Betrieb grenzte unmittelbar an die große Erdölraffinerie in Omsk an, von wo aus große Mengen sibirischen Erdöls mittels Pipeline und Schienenverkehr in alle denkbaren Richtungen befördert wird. Die für den Schienentransport genutzten Kesselwagen werden nach Entladung ihrer Fracht, bestehend aus flüssigen Erdöldestillaten, über Hochdruck-Wasserspülung mit anschließender Evakuierung gereinigt. Die Arbeit dort ist bei nur geringfügig besserer Bezahlung sehr hart und wird nur von wenigen Menschen längere Zeit betrieben.

Nach einem weiteren reichhaltigen Mittagessen in einem Omsker Restaurant, welches wiederum durch unsere russischen Gastgeber finanziert wurde, hatten wir schließlich ein wenig Zeit, individuell in verschiedenen Läden in einem Einkaufszentrum zu stöbern. Abends besuchten wir einen Pub, in dem wir in sehr warmherziger Atmosphäre mit unseren Aspiranten Alexandra, Olga, Marina, Semjon und Valeri unseren letzten Abend zusammen feierten. Einige von uns besuchten schließlich noch eine Omsker Disco während der Rest sich von den (angenehmen) Strapazen unserer Reise erholte.

Am Freitag, dem 12. September war es dann leider an der Zeit abzureisen. Mit gedämpfter Stimmung wurden wir morgens von Alexandra zum Flughafen begleitet, von wo aus wir über Kaliningrad nach Berlin die Heimreise antraten.

Gregor Wowsnick

Veröffentlicht in Reisen.

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